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von
Christiane
Reichert
Das historische
Stadtbild von Ostheim v. d. Rhön wird
bis heute von zahlreichen, vor allem
frühneuzeitlichen Elementen
geprägt. Dazu zählen nicht nur
die das Ortsbild im Norden
überragende Kirchenburg oder die
verschiedenen erhaltenen Adelshöfe
sondern auch der wohl im 16. Jahrhundert
überformte Stadtgrundriß sowie
die Reste der inzwischen überbauten
Befestigungsmauer. Nicht ohne Grund ist
die gesamte Altstadt von Ostheim als
schützenswertes Ensemble in die
Denkmalliste eingetragen.
Welche Faktoren aber
waren es, die die Struktur und damit das
Bild der Stadt im Laufe der Jahrhunderte
prägten? Ostheim entstand als
planmäßige Siedlung im Rahmen
des frühmittelalterlichen
Landausbaus. Der Flußlauf der Streu
stellte dabei einen wesentlichen
Standortfaktor für die Besiedlung
dar: Er bot seinen Bewohnern talseitigen
Schutz, war Nahrungs- und Energiequelle.
Allerdings lag der Ort abseits der
großen Handelswege und bot zudem der
Landwirtschaft keine besonders
günstigen Bedingun-gen. Statt einer
größeren städtischen
Metropole entwickelten sich in der Gegend
deshalb lediglich Kleinzentren, unter
denen die sächsische Enklave mit der
Stadt Ostheim eine besondere Stellung
einnahm.
Erstmals urkundlich
erwähnt wurde Ostheim in einer
Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda aus
dem Jahre 804. Nach mehrmaligem
Besitzwechsel gelangte es 1555 mit dem Amt
Lichtenberg unter die Landeshoheit der
Herzöge von Sachsen (Ernestinische
Linie des Hauses Wettim). Unter der
sächsischen Regierung durchlief
Ostheim im 16. Jahrhundert eine bedeutende
Entwicklung, so dass die Einwohnerzahl
zwischen 1538 und 1667 von 138 auf 1681
Personen anstieg. Herzog Johann Casimir
von Sachsen-Coburg verlieh dem Ort am
20.12.1586 das Marktrecht.
Erstmals als Stadt
erwähnt wurde Ostheim im Jahre 1596,
wobei es sich um eine relativ späte
Stadtgründung handelte.
Offensichtlich geschah der so von oben
gelenkte Stadtausbau in diesem Grenzgebiet
angesichts der konkurrierenden
würzburgischen Städte Fladungen
und Mellrichstadt. In die
frühneuzeitliche Zeit fiel auch die
Errichtung der Befestigungsmauer. Sie
wurde bereits ab dem 18. Jahrhundert
überbaut, so daß Reste davon
heute nur noch im Süden entlang der
Streu kenntlich sind. Auch die vier alten
Stadttore schleifte man Mitte des 19.
Jahr-hunderts. Ein großer Stadtbrand
im Jahre 1757 legte vor allem im
älteren, nördlichen Stadtteil
zahlreiche Gebäude in Schutt. Im
Zusammenhang mit der Stadtwerdung ist auch
der 1587 erfolgte Umbau des bis heute
bestehenden Rathauses zu sehen. Es diente
im Erdgeschoß ursprünglich als
offene Markthalle. Nachdem Ostheim bereits
1553 der Reformation beigetreten war,
entstand zwischen 1615 und 1619 auch der
Neubau der Kirche. Die bereits aus dem 15.
Jahrhundert stammende Kirchenburg mit den
Kirchgaden und der St. Michaelskirche
stellt heute eine besondere Dominante
innerhalb des Stadtbildes dar.
Im Laufe der
Jahrhunderte wurden zahlreiche
fränkische Adelsfamilien in Ostheim
ansässig. Von ihnen fanden sich Ende
des 18. Jahrhunderts noch zwei
Geschlechter vor, die von der Tann und die
vom Stein zu Altenstein. Die bis heute in
der Stadt erhaltenen ehemaligen
Adelshöfe zeugen als
repräsentative Bauten noch von dem
Ansehen der Familien.
Den vielen
Landesteilungen des Hauses folgend, kam
Ostheim schließlich 1741
endgültig an das Herzogtum und
spätere Großherzogtum
Sachsen-Weimar und Eisenach, bei dem es
bis 1918 verblieb. Im Jahre 1812 wurden im
Vordergericht des Amtes Lichtenberg
bayerische Zollstationen eingerichtet.
Damit war die sachsenweimarische Exklave
Ostheim entstanden, die - nachdem 1920
das. Land Thüringen gebildet wurde -
als thüringische Enklave in Bayern
bis 1945 bestand. Nur aus dieser
besonderen politisch-geographischen
Situation heraus läßt sich die
neuzeitliche Entwicklung Ostheims
ver-stehen. Die Stadt wurde zu einem
kleinen Zentrum innerhalb der Enklave, die
auf eine größt-mögliche
Autarkie ausgerichtet war. Als
Ackerbürger betrieben die Ostheimer
die Landwirtschaft in der Regel nur im
Zuerwerb. Zahlreich waren dagegen die
kleinen Handwerks- und Gewerbebetriebe.
Eine besondere Stellung besaßen die
Weberei und die Gerberei, deren Produkte
auf den Märkten bis Würzburg und
Frankfurt abgesetzt wurden. Dadurch, dass
eine weitere Entwicklung Ostheims aufgrund
seine politischen und geographischen
Situation ausblieb, konnten andererseits
wesentliche Charakteristiken insbesondere
aus der Zeit der Stadt-werdung im 16.
Jahrhundert die Zeit bis heute
überdauern. Neben den bedeutenden
Baudenkmälern wird das
gegenwärtige Stadtbild vor allem von
den sowohl verputzten als auch
unverputzten Fachwerkbauten geprägt.
Noch immer sind zum Beispiel in der dicht
bebauten Marktstraße an vielen
Gebäuden die alten, überbauten
Tordurchfahrten erhalten. Wie jüngere
Untersuchungen ergaben, war das Fachwerk
früher in hell- bis dunkelgrauen
Farbtönen gestrichen. Aber auch die
noch erfahrbare ehemalige südliche
Stadtbegrenzung an der Streu mit den
Re-sten der inzwischen überbauten
Stadtmauer oder die mancherorts
erhaltenen, regionaltypischen
"Drücken" (Laubengänge) an den
Häusern zählen zu den
"erlebenswerten" Stücken Ostheimer
Geschichte.
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