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History Ostheim vor der Rhön

 

Die fränkische Siedlung Ostheim vor der Rhön wurde vermutlich um 525 gegründet und 804 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ehemals ein Amt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, kam die Exklave Ostheim 1920 zum neugegründeten Land Thüringen. 1945 wurde Ostheim als Teil der amerikanischen Besatzungszone dem Freistaat Bayern zugeordnet und stand als thüringische Enklave unter bayerischer Verwaltung, seit der Gebietsreform von 1972 gehört Ostheim zum Regierungsbezirk Unterfranken. Auch in der evangelischen Kirche gehörte Ostheim noch bis 1972 zur Landeskirche Thüringens, in der katholischen Kirche wird die Kuratie Ostheim vor der Rhön, kirchenrechtlich wie ehemals größere Gebiete Thüringens zum Bistum Fulda gehörend, seit 1945 von der Diözese Würzburg seelsorgerisch betreut.


Historisches Kleinzentrum
zwischen Franken und Thüringen
 

von Christiane Reichert

Das historische Stadtbild von Ostheim v. d. Rhön wird bis heute von zahlreichen, vor allem frühneuzeitlichen Elementen geprägt. Dazu zählen nicht nur die das Ortsbild im Norden überragende Kirchenburg oder die verschiedenen erhaltenen Adelshöfe sondern auch der wohl im 16. Jahrhundert überformte Stadtgrundriß sowie die Reste der inzwischen überbauten Befestigungsmauer. Nicht ohne Grund ist die gesamte Altstadt von Ostheim als schützenswertes Ensemble in die Denkmalliste eingetragen.

Welche Faktoren aber waren es, die die Struktur und damit das Bild der Stadt im Laufe der Jahrhunderte prägten? Ostheim entstand als planmäßige Siedlung im Rahmen des frühmittelalterlichen Landausbaus. Der Flußlauf der Streu stellte dabei einen wesentlichen Standortfaktor für die Besiedlung dar: Er bot seinen Bewohnern talseitigen Schutz, war Nahrungs- und Energiequelle. Allerdings lag der Ort abseits der großen Handelswege und bot zudem der Landwirtschaft keine besonders günstigen Bedingun-gen. Statt einer größeren städtischen Metropole entwickelten sich in der Gegend deshalb lediglich Kleinzentren, unter denen die sächsische Enklave mit der Stadt Ostheim eine besondere Stellung einnahm.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ostheim in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda aus dem Jahre 804. Nach mehrmaligem Besitzwechsel gelangte es 1555 mit dem Amt Lichtenberg unter die Landeshoheit der Herzöge von Sachsen (Ernestinische Linie des Hauses Wettim). Unter der sächsischen Regierung durchlief Ostheim im 16. Jahrhundert eine bedeutende Entwicklung, so dass die Einwohnerzahl zwischen 1538 und 1667 von 138 auf 1681 Personen anstieg. Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg verlieh dem Ort am 20.12.1586 das Marktrecht.

Erstmals als Stadt erwähnt wurde Ostheim im Jahre 1596, wobei es sich um eine relativ späte Stadtgründung handelte. Offensichtlich geschah der so von oben gelenkte Stadtausbau in diesem Grenzgebiet angesichts der konkurrierenden würzburgischen Städte Fladungen und Mellrichstadt. In die frühneuzeitliche Zeit fiel auch die Errichtung der Befestigungsmauer. Sie wurde bereits ab dem 18. Jahrhundert überbaut, so daß Reste davon heute nur noch im Süden entlang der Streu kenntlich sind. Auch die vier alten Stadttore schleifte man Mitte des 19. Jahr-hunderts. Ein großer Stadtbrand im Jahre 1757 legte vor allem im älteren, nördlichen Stadtteil zahlreiche Gebäude in Schutt. Im Zusammenhang mit der Stadtwerdung ist auch der 1587 erfolgte Umbau des bis heute bestehenden Rathauses zu sehen. Es diente im Erdgeschoß ursprünglich als offene Markthalle. Nachdem Ostheim bereits 1553 der Reformation beigetreten war, entstand zwischen 1615 und 1619 auch der Neubau der Kirche. Die bereits aus dem 15. Jahrhundert stammende Kirchenburg mit den Kirchgaden und der St. Michaelskirche stellt heute eine besondere Dominante innerhalb des Stadtbildes dar.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden zahlreiche fränkische Adelsfamilien in Ostheim ansässig. Von ihnen fanden sich Ende des 18. Jahrhunderts noch zwei Geschlechter vor, die von der Tann und die vom Stein zu Altenstein. Die bis heute in der Stadt erhaltenen ehemaligen Adelshöfe zeugen als repräsentative Bauten noch von dem Ansehen der Familien.

Den vielen Landesteilungen des Hauses folgend, kam Ostheim schließlich 1741 endgültig an das Herzogtum und spätere Großherzogtum Sachsen-Weimar und Eisenach, bei dem es bis 1918 verblieb. Im Jahre 1812 wurden im Vordergericht des Amtes Lichtenberg bayerische Zollstationen eingerichtet. Damit war die sachsenweimarische Exklave Ostheim entstanden, die - nachdem 1920 das. Land Thüringen gebildet wurde - als thüringische Enklave in Bayern bis 1945 bestand. Nur aus dieser besonderen politisch-geographischen Situation heraus läßt sich die neuzeitliche Entwicklung Ostheims ver-stehen. Die Stadt wurde zu einem kleinen Zentrum innerhalb der Enklave, die auf eine größt-mögliche Autarkie ausgerichtet war. Als Ackerbürger betrieben die Ostheimer die Landwirtschaft in der Regel nur im Zuerwerb. Zahlreich waren dagegen die kleinen Handwerks- und Gewerbebetriebe. Eine besondere Stellung besaßen die Weberei und die Gerberei, deren Produkte auf den Märkten bis Würzburg und Frankfurt abgesetzt wurden. Dadurch, dass eine weitere Entwicklung Ostheims aufgrund seine politischen und geographischen Situation ausblieb, konnten andererseits wesentliche Charakteristiken insbesondere aus der Zeit der Stadt-werdung im 16. Jahrhundert die Zeit bis heute überdauern. Neben den bedeutenden Baudenkmälern wird das gegenwärtige Stadtbild vor allem von den sowohl verputzten als auch unverputzten Fachwerkbauten geprägt. Noch immer sind zum Beispiel in der dicht bebauten Marktstraße an vielen Gebäuden die alten, überbauten Tordurchfahrten erhalten. Wie jüngere Untersuchungen ergaben, war das Fachwerk früher in hell- bis dunkelgrauen Farbtönen gestrichen. Aber auch die noch erfahrbare ehemalige südliche Stadtbegrenzung an der Streu mit den Re-sten der inzwischen überbauten Stadtmauer oder die mancherorts erhaltenen, regionaltypischen "Drücken" (Laubengänge) an den Häusern zählen zu den "erlebenswerten" Stücken Ostheimer Geschichte.


© 2011 by MGC Ostheim/Rhön e.V.

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